"CARBON" im Emschertalmuseum Herne


Unsere neue Inszenierung "CARBON - Eine kleine Weltreise der Steinkohle" ist am 24.Juni 2018 um 11.00 Uhr im Emschertalmuseum Herne zu erleben. Eine Koproduktion mit der FIDENA Bochum und den RuhrKunstMuseen - gefördert vom Fonds Darstellende Künste, Kulturstiftung Sachsen und von der Landeshauptstadt Dresden

Die neueste Freaks und Fremde Produktion verfolgt im letzten Jahr des deutschen Steinkohlebergbaus die Geschichte eines Rohstoffs von seiner Entdeckung bis in die Abgründe globaler Vertrickungen. Auf unserer Suche kamen wir nach Kolumbien, wo der größte Steinkohletagebau der Welt, die Kohle für deutsche Kraftwerke aus der Erde schürft und sprengt und damit die Lebens- und Kulturräume indigener und afrokolumbianischer Gemeinschaften in La Guajira zerstört. Den Dreck, den wir vor der eigenen Haustür nicht mehr haben, wühlen wir am anderen Ende der Welt auf. Presseresonanz: "Im Mahlstrom der Neo-Imperatoren. Die Compagnie Freaks und Fremde, ausgezeichnete Dresdner Kunstpreisträger mit monatlicher Residenz im barockigen Societaetstheater, spielt als Kulturbotschafter ihrer Landeshauptstadt in der ersten Liga. Und so bot deren achte Freakstadt – ein jeweils liebevoll ausgestaltetes und von einer Art illustrem Fanclub betreutes Minifestival – mit „Carbon – eine kleine Weltreise der Kohle“ eine nicht nur Aufsehen erregende Uraufführung, deren zurückliegender und kommender Werdegang der Beachtung bedarf. Im Foyer, mit einer Ausstellung garniert, lag dazu ein Haufen echter Steinkohle, darüber flatterten Geldscheine aller Herren Länder, durchaus auch echte und in Summe von Wert – und nicht jene der Herrenländer. Das ist nicht unwichtig zu wissen, denn die neue Produktion der Freaks – hier als reines Kernduo in Form von Sabine Köhler (in Schwarz) und Heiki Ikkola (in Weiß) als Clownspaar, die beide auch für Konzept, Ausstattung und Performance verantwortlich zeichnen, feierte nicht hier Premiere, sondern schon im Mai beim Fidena-Festival. Das „Figurentheater der Nationen“, die populärste Aktivität des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst, das als Verein in Bochum sitzt, feierte seinen 60. Geburtstag und veranstaltet aller zwei Jahre jenes ureigene Festival, dieses Jahr mit 55 Veranstaltungen und 33 Produktionen aus 13 Ländern an zwölf Spielorten, neben Bochum auch in Essen, Herne und Hattingen. Eine von zwei Auftragsproduktionen zum Jubiläum, die dort Uraufführung feierten, ergatterte die Dresdner Compagnie, in Kooperation mit den RuhrKunstMuseen, die dann auch diverse Auftrittsorte stellen. Also bauten sich Köhler und Ikkola ein Zelt, das in deren Räume passte, und eine herrliche Theatermaschine mit vielen Funktionen, vor allem als doppelte Horizontalseilbahn für Getier, Menschen und Technik mit Figuren, die sich inwendig beim Bewegen noch drehen. Neben diesem phantasischen Theatrum mundi liefern sie dazu ihren bekannten Mix aus Spiel, Film, Tanz und Puppenspiel, bei dem jede Bewegung sitzt und auch kleine technische Pannen, die bei diesem Equipmentreichtum nahezu unausweichlich erscheinen, geschickt überspielt werden. So steht hier am Anfang – als ihre typische weißkahle Gliederpuppe mit stahlblauen Augen – Prometheus, jener bereuende Gott aus dem Geschlecht der Titanen, der den Menschen das Feuer brachte und dafür am Kaukasusfels vom Adler angesnackt wird. Hier verweilt er im halbierten Vogelkäfig und muss zuschauen. Denn aufgrund seiner Idee wird aus der kleinen Kohlewelt- auch eine Zeitreise, die im Ruhrgebiet beginnt, als ein lustiger Schweinehirt, der sich nachts ein Feuer in einer Schweinekuhle macht, die schwarzen, heiß nachglühenden Steine entdeckt. Daraus führt ein gewaltig verspieltes Kaleidoskop in die Geschichte des Steinkohlebergbaus ein und wieder aus, wobei, wie bewährt, die Filme von Eckart Reichl und die Musik von Daniel Williams die Handlung treiben und ein kleiner Schwenker gen Oelsnitz, zu unserem allerersten Helden der Arbeit, Adolf Hennecke, nicht ausbleibt. Es entsteht eine leuchtende Wunderwelt, die selbst stringente Naturfreunde als faszinierend empfinden müssen, zumal die Maschinerie hier (Ausstattung: Yvonne Dick, Technik: Josia Werth) nicht stinkt und raucht. Plötzlich, weit in der zweiten Hälfte, wird die Geschichte dann hart und leibhaftig – trotz Kohleausstieg werden nagelneue Steinkohlekraftwerke in Deutschland gebaut, riesige Mengen zum Verfeuern aus Kolumbien über den Atlantik verschifft, für unseren Strom, unser Licht, unsere Klima-Anlagen (auch jene im Theater), unter Führung amerikanischer oder europäischer Großkonzerne, von geizigen Aktionären getrieben, der südamerikanische Urwald abgeholzt und die Anwohner, vor kurzem noch stolze autarke Wayuú-Indianer aus dem Dorfe Tamaquito, die ohne Strom und Technik leben konnten, mit Staatsdoktrin für unseren energetischen Wohlzustand vertrieben. Diese dokumentarische Anklage der Neoimperatoren, per Video auf die drei runden Leinwände projiziert, gibt der Inszenierung einen dramatischen Drall, dem man sich schwerlich entziehen kann. „Carbon“ ist als Bühnenfestspiel ein freakiger Ritt durch die Genres – und ein Augenschmaus für den Bastelfreund. Witzig, unterhaltsam, schräg – und vor allem gesellschaftlich relevant. Es knüpft thematisch an „Eldorado“, ihre Zeitreise an den fernen paradiesischen Sehnsuchtsort ins mystische Hoch- wie Goldland Kolumbiens an, und führt sie als karbonierte Sommerreise vom Emschertalmuseum Herne (24. Juni), zum Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna (5. August) und dann über Duisburg, Bottrop, Gelsenkirchen, Bochum und die Kunsthalle Recklinghausen nach Mülheim an der Ruhr. (Dresdner Neueste Nachrichten, Andreas Herrmann)

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