



Foto: Jean Sebastian Nass





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GHOST TRAIN through all our identities
Eine Theater-Geisterbahn von Freaks und Fremde
Ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Societaetstheater Dresden. - Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste, durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz.
Das Projekt:
»Wo keine Götter sind, walten Gespenster.« (Novalis, 1799)
Menschen wollen nicht nur glücklich sein, sie suchen Sinn. Dazu gehört auch die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit, mit dem Schrecken und dem Unbekannten. So eine Sinnsuche kann einem durchaus das Herz bis zum Hals schlagen lassen. Das ist nichts für schwache Gemüter. Die Cie. Freaks und Fremde begibt sich auf Geisterfahrt – durch die Zeiten, Sphären und Kulturen. Während sich die Schreckgestalten traditioneller Geisterbahnen und Jahrmarktsattraktionen jedoch meist an Monstern aus Literatur, Film oder Computerspielen orientieren, fährt der GHOST TRAIN von Freaks und Fremde in die Welt persönlicher Abgründe. Sie begegnen Dämonen des Alltags und beschwören die Geister der Vergangenheit. Mit der Kunst des Geräusche-Machens, Objekt- und Puppentheater, mit Live-Musik, Projektionen und Illusionen fahren sie mit ihrem Publikum durch den Abgrund der Nacht bis zum Sonnenaufgang.
Dieser Zug macht auf seiner Fahrt an unerwarteten Orten halt. Es geht nicht um den schnellen Grusel, wenn Riesenspinnen, Zombies oder Vampire auftauchen oder Skelette, die Hinrichtungsszenen nachspielen. Freaks und Fremde spüren dem Moment nach, der nach dem Schrecken kommt. Die Reise führt zu Geist und Geistern in jeglicher Erscheinungsform und jeglichem Wortsinn. Das Fremde und Unerklärbare nimmt hier Gestalt an. Das scheinbar Tote wird beseelt und steht uns atmend und fragend gegenüber. Wie materialisiert sich das Nicht-Materielle, das Unbegreifbare? Einsteigen bitte!
GHOST TRAIN ist eine Produktion in verschiedenen Erscheinungsformen:
> Anfang Juli 2026 erlebte die Street Version das Licht der Welt - eine Geisterbahn für Straßentheaterfestivals, Jahrmärkte und urbane Feste, zu sehen beim Gassenzauber-Festival in Meissen und beim Schaubudensommer in Dresden. Jeweils eine Person fährt durch die Gänge, Räume und Sphären unserer mobilen Geisterbahn.
> Am 19.September 2026 kam die Geisterbahn als Bühnenversion im Societaetstheater Dresden zur Premiere.
Ein vielgestaltiges Abenteuer - wir freuen uns, mit Euch in die Dunkelheit zu fahren.
Das Team:
Künstlerische Leitung, Schauspiel, Puppenspiel, Szenografie: Sabine Köhler, Heiki Ikkola
Fahrgastleiter: Hanno Wuckasch
Komposition, Live-MusikTobias: Herzz Hallbauer
Videoschnitt und Projektionen: Beate Oxenfart
Technische Leitung und Lichtdesign: Josia Werth
Mitarbeit Regie und Dramaturgie: Jörg Lehmann
Mitarbeit Ton, Studioaufnahmen: Frieder Zimmermann
Fotos: André Wirsig
Gefördert durch:



Resonanz:
"Am vergangenen Sonnabend hatte nun im Societaetstheater die neue Produktion „Ghost Train“ der Compagnie Cie. Freaks und Fremde Premiere, bei der die im Fokus stehen, die es weder ins Paradies noch in die Hölle geschafft haben: Geister,
Gespenster, Untote, Zombies, Altlinke, kurz und gut, fast all jene Gestalten, denen man an Deutschlands höchstem kirchlichen Feiertag, Halloween, begegnen kann.
„Wir kommen und wir bleiben, wir gehen euch auf den Geist, ob ihr wollt oder nicht“, bekommt man als Zuschauer zu hören, nach 90 Minuten ist aber dann doch Schluss. Auf der Bühne agieren hauptsächlich Sabine Köhler und Heiki Ikkola, gelegentlich werden die beiden Nekromantiker unterstützt von Tobias Herzz Hallbauer, der ansonsten die Musik beisteuert, wobei „Musik“
hier sehr weit gefasst ist, denn oft sind es Klangcollagen ganz eigener Art, die sich in die Gehörgänge schrauben.
Phasenweise ist es so, als würde man einem Geräuschemacher/Tonmeister bei der Arbeit zuschauen.
Manchmal wird ein Lied angestimmt. So etwa „Sweet Dreams (Are Made of This)“ und jede Wette drauf – schräger-schauriger-schöner hat man diesen Hit der Eurythmics von 1983 noch nie gehört. Und auch nicht Matthias Claudius’ Abendlied, eginnend
mit den Zeilen: „Der Mond ist aufgegangen, / Die goldnen Sternlein prangen.“ Dann wieder spielt Ikkola auf der Mundharmonika die ersten klagenden Töne des Italo-Westerns „Spiel mir das Lied vom Tod“.
Getragen von der Erkenntnis „Ihr Menschen liebt eure Geister und fürchtet doch ihre Anwesenheit“, wird Objekt- und Puppentheater geboten, ergänzt um Video-Projektionen und Illusionen, abgerundet durch schon gewürdigte famose Bild- und Toneffekte. Es geht in dieser Séance ganz eigener Art laut Ankündigung nicht zuletzt darum, dem Besucher die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit, mit dem Schrecken und dem Unbekannten, vor allem den Blick in die persönlichen Abgründe zuzumuten.
Und es ist überhaupt und vor allem ein „Stück“, bei dem nicht nur Skelett- und Totenschädelfans auf ihre Kosten kommen, sondern nicht zu knapp auch der Bildungsbürger. Da wird mit Goethe „der Geist, der stets verneint“, beschworen, da
sucht Heiki Ikkola in Hamlet-Manier den Dialog mit dem Totenschädel.
Nun schrieb Sheakespeare an sich gar nicht vor, dass der Dänenprinz in der berühmten Szene am Grab des Narren Yorick dessen Schädel in die Hand nehmen muss, aber so ist es nun viele Male genau so gespielt worden, sodass sich das Bild in die
Ikonografie eingebrannt hat. Ikkola sagt allerdings „Sein und Nichtsein“, er lässt also keine Alternative.
Ganz stark auch der Moment, als er mit Hohn in der Stimme die Märchen-Sentenz „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ zitiert, um dann ob seiner Kindheitserfahrungen hinterherzuschieben: „Ich brauchte dafür nur in den Keller zu gehen.“
Eine direkte Handlung gibt es nicht, es ist eine Revue ausdrucksstarker Bilder. Mal abgesehen von den Geistern der Vergangenheit werden nicht zuletzt die Dämonen des Alltags beschworen, denn die Hölle sind nicht zuletzt die anderen. Besonders schaurig-surreal und nachhaltig ins Gedächtnis grabend die Szene, als sich ein Baby aus der Erde gräbt – nein, dieses Baby hat kein süßes Gesichtchen, das ist einfach ein Wiedergänger von Chucky, der Mörderpuppe. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne? Also in dem Fall eher Schauer.
Die Fülle an Einfällen ist bestechend, auf keinen Fall stellt sich das Gefühl ein, dass es nun des Guten zu viel wäre. Apart natürlich der Moment, als die Akteure stellvertretend für die Geister fragen, warum wir Menschen überhaupt denken, dass
die Geister uns überhaupt begegnen oder gar Tod und Zerstörung bringen wollen. Nein, es seien doch die Menschen,
die alles zerstören wollen, „alles im Geist der Erneuerung“ natürlich, die keinen Platz lässt für vorige Kulturen.
In der Tat: Die Damnatio memoriae war im alten Rom gängige Praxis und ist auch heute Usus, wie etwa diverse Straßenumbenennungen und Denkmalstürze belegen, mit denen sich der Zeitgeist austobt."
Dresdner Neueste Nachrichten, 21.September 2026

Fotos: André Wirsig
Schaubudensommer - Internationales Festival für Straßenkunst Dresden 2026, Festiival Gassenzauber Meißen 2026.
Societaetstheater Dresden 2026





















